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Chronik Förderverein

Chronik 35 Jahre Verein zur Förderung der Orgel- und Kirchenmusik St. Albertus Magnus Oberesslingen



Die erste Orgel in St. Albertus Magnus wurde im Rahmen des Kirchbaus im Jahre 1950 von der Firma Reiser in Biberach erstellt. Ursprünglich war ein großes Instrument mit drei Manualen und Pedal mit 50 Registern geplant. Aufgrund der damals finanziell angespannten Lage musste die Orgel notgedrungen in Etappen errichtet werden, so dass sie erst im Jahre 1969 eingeweiht werden konnte. Das in diesen Nachkriegsjahren schlechte Material, eine Ansammlung verschiedener Steuerungssysteme und die Bauzeit von fast 20 Jahren führten dazu, dass schon wenige Jahre nach der Einweihung fortlaufend Störungen auftraten. Nur dem technischen Geschick unseres Hausorganisten war es zu verdanken, dass die Orgel einigermaßen funktionsfähig war. Ursprünglich wollte sich der Kirchengemeinderat lediglich für eine gründliche Reparatur der alten Orgel entscheiden. Dies hätte aber die systembedingten Mängel nicht beseitigt und am akustisch ungünstigen Standort auch nichts geändert. Ein Kostenvoranschlag dafür belief sich auf die hohe Summe von DM 150.000. Deswegen wurde davon Abstand genommen.


Aus diesen Gründen bildete sich in der Gemeinde eine Initiativgruppe, um sich aktiv für eine neue Orgel unter Verwendung brauchbarer alter Pfeifen einzusetzen. So kam es am 01. April 1985 unter Mitwirkung von 13 Gemeindemitgliedern zur Gründung des "Orgelbau-Fördervereins St. Albertus Magnus Oberesslingen" mit dem Gründungsvorsitzenden Hans Baur und seinem Stellvertreter Willi Digel. Ziel war, einen Neubau der Orgel finanziell und ideell zu fördern sowie zur Aufklärung der Notwendigkeit des Vorhabens beizutragen. Es ist dem Förderverein zu verdanken, dass auch der Kirchengemeinderat seine Zustimmung für einen Neubau gab und den Auftrag an die Orgelbaufirma Plum in Marbach/Neckar im Jahre 1988 erteilte.

Der Förderverein hatte unmittelbar nach seiner Gründung zahlreiche Aktivitäten initiiert, um durch Veranstaltungen, Spendenaktionen, Verkauf nicht mehr verwendbarer Orgelpfeifen und Mitgliedsbeiträge Mittel zur Finanzierung zu sammeln. So wurden für die Gemeinde auch viele
Fahrten durchgeführt, um verschiedene neue und alte Orgeln zu sehen und zu hören. Kurze Zeit nach der Vereinsgründung hatte sich die Mitgliederzahl um mehr als das 6-fache vergrößert. Die Vereinsmitglieder hatten dann in der Bauphase bei der Demontage der alten Orgel und dem Neubau, wenn immer es möglich war, mit Hand angelegt, um so die Baukosten möglichst klein zu halten. Organist Wolfgang Hausmann hatte zudem viel Zeit aufgewendet, um zusammen mit der Orgelbaufirma unter Beachtung der vorliegenden Gegebenheiten ein Optimum zu erreichen. Es war auch dem Ideenreichtum von Vereinsmitgliedern zu verdanken, dass für die farbliche Gestaltung des Orgelgehäuses und die notwendige Erweiterung der Empore unter Beachtung des neoromanischen Baustils und des erforderlichen Platzes für den Kirchenchor eine schließlich allseits anerkannte und geschätzte Lösung geschaffen werden konnte. Der Orgelbau-Förderverein hatte bis zur Fertigstellung der Orgel sein Versprechen erfüllt und zur Finan- zierung DM 100.000 beigesteuert.


Die neue Orgel hat 39 Register mit insgesamt 2790 Pfeifen, verteilt auf
3 Manuale (Positiv, Haupt- und Schwellwerk) und ein Pedal. Sie wurde beim Kirchenpatrozinium am 18. November 1990 im Rahmen eines Festgottesdienstes vom damaligen Diözesan-Caritasdirektor Dr. Hans Peter Rieder, einem ehemaligen Gemeindemitglied, eingeweiht. In der Festschrift haben Pfr. Norbert Mühleck und der Kirchengemeinderat dem Orgelbau-Förderverein für sein Engagement und die enormen Leistungen besonders gedankt. An den Sonntagen bis Weihnachten folgten dann noch 6 Orgel-konzerte.

Bereits im darauf folgenden Jahr begann der Verein mit seinen Orgelkonzertreihen, bestehend aus meist 6 Konzerten pro Jahr. Da sie ohne Unterbrechung stattgefunden haben, konnte im Jahr 2020 die 30. Konzertreihe durchgeführt werden. So kamen bis zu diesem Zeitpunkt fast 200 Konzerte mit namhaften Organisten aus ganz Europa, USA, Kanada und Japan zustande. Viele der Interpreten lobten unsere Orgel wegen ihrer klanglichen Brillanz als "wahres Kleinod", was so auch in einer Rezension der Esslinger Zeitung zum Ausdruck kam. Von den gastierenden Organisten wurde zudem die persönliche Betreuung durch Vereinsmitglieder sehr geschätzt. Unter den vielen Konzert- organisten spielten aus den USA auch der junge Grammy-Preisträger Nathan Laube und Professor Dr. James Drake. Aus Europa konzertierten weitere bedeutende Preisträger und Professoren wie: Andrew Dewar (Paris), Wolfgang Zehrer (Hamburg), Peter Planyavsky (Wien), Dr. Ludger Lohmann und Jon Laukvik (Stuttgart), Elisabeth Zawadke (Luzern), Bine Katrine Bryndorf (Kopenhagen), Klemens Schnorr (München) sowie Peter-Alexander Stadtmüller (Mainz), auch in Begleitung seiner Tochter Monika mit der Oboe und dem Englischhorn.

"Viele hochkarätige Konzerte wurden seither mit Erfolg präsentiert", so berichtete die Esslinger Zeitung zum 150. Konzert im Jahre 2015. Unter dem Motto "Orgel satt" fand damals ein 12-stündiges Programm mit Orgelführungen, Konzerten für Kinder, Orgelimprovisationen zu einem Stummfilm, um Mitternacht mit "It's Jazz time! Die Orgel jazzt" und einem festlichen Abschlussgottesdienst mit Trompete und Orgel statt. Erwähnenswert ist auch ein Orgel-Triduum im Jahr 2017 mit Konzerten an 3 aufeinander folgenden Tagen mit Interpreten aus Frankreich, Österreich und Deutschland. Das Eröffnungskonzert mit Werken von Dietrich Buxtehude und Johann Sebastian Bach war ein eindrucksvolles Duo mit Peter Kranefoed an der Orgel und dem Sprecher Rudolf Guckelsberger, bekannt als Moderator bei SWR 2, mit Texten aus der Bachnovelle "Die Pilgerfahrt nach Lübeck".

Eine gewisse Konstanz bei der Vielseitigkeit dieser Konzertreihen war und ist das von den Konzertbesuchern seit Jahren geschätzte Konzert "horn & pipe" mit Peter Dußling mit verschiedenen Saxophoninstrumen- ten und Stephan Lenz an der Orgel. Sie haben an unserer Orgel meh- rere CD-Aufnahmen eingespielt und unsere Konzerte mehr als 25mal mit eigenen Kompositionen bereichert, ein Miteinander aus Jazz, Klassik und Kirchenliedern. Außerdem wurden im Jahr 2000 und 2010 jeweils eine CD von Prof. Peter-Alexander Stadtmüller (Mainz) und Prof. Ulrich Walther (Graz) eingespielt. Eine Konstante stellt auch das alljährige Vorweihnachtskonzert unseres Organisten Wolfgang Hausmann dar. Zur Unterstützung sozialer Einrichtungen, wie beispielsweise für das Esslinger Hospiz oder für aufwändige Arbeiten an der Orgel, konnten einige Konzerte als Benefizkonzerte bei Honorarverzicht der Organisten durchgeführt werden. Die Planung lag von Anfang an in besten Händen bei unserem Organisten. Er hat über die Zeit von drei Jahrzehnten diese Aufgabe mit großem Geschick, besonderem Gespür und vielen Kontakten zu sehr guten Organisten im In- und Ausland sowie zu günstigen Bedingungen organisiert.

Der Förderverein unter Vorstand Dieter Speck hat seinen Namen im Jahr 2000 in "Verein zur Förderung der Orgel- und Kirchenmusik St. Albertus Magnus Oberesslingen" geändert. Der Bau der Orgel war ja in- zwischen abgeschlossen. Der wesentliche Vereinszweck hatte sich damit geändert, dies sollte auch im Namen erkennbar sein. In den Jahren danach hat er sich nicht nur auf die Organisation und Förderung von Orgelkonzerten konzentriert, sondern zur Beschaffung einer Truhenorgel für den Einsatz im Chorraum bei Konzerten, Orchester- messen und zur Begleitung der Schola € 20.000 bereitgestellt. Außer- dem stellte er auch Mittel bei der Ausreinigung und Instandhaltung der großen Kirchenorgel im Jahr 2010/11 zur Verfügung. Für dieses Vor- haben und die Anschaffung einer Orgel im Jahr 2018 für die Krypta konnte der Kirchengemeinde jeweils ein 4-stelliger Betrag übergeben werden.

Rückblickend kann der Förderverein für sich in Anspruch nehmen, bei der Entscheidung und Beschaffung der neuen und qualitativ hoch- wertigen Orgel für St. Albertus den entscheidenden Impuls gegeben und die Errichtung tatkräftig, fachlich wie auch finanziell mit großem Engagement begleitet zu haben. Das Gemeindeleben wurde mit vielen Veranstaltungen und hervorragenden Konzerten mit nationalen und internationalen Organisten sehr bereichert. Das große Spektrum der Kirchenmusik konnte dabei eindrucksvoll erlebt werden. Von mehreren Konzerten hat die Esslinger Zeitung berichtet, dabei hohes Lob aus- gesprochen und die Qualität des Instrumentes besonders betont. Diese Konzerte bereichern zudem das Kulturprogramm der Stadt Esslingen, weshalb sie vom Kulturamt der Stadt finanziell unterstützt werden.
Besonderer Dank gilt den Initiatoren und Vereinsgründungsmitgliedern, den Vorstands- und Ausschussmitgliedern sowie dem Organisator der Orgelkonzerte über all die Jahre. Nicht zuletzt danken wir allen Vereinsmitgliedern und Spendern, denn ohne sie wäre das alles nicht möglich geworden.

Esslingen, 01. August 2020
Verein zur Förderung der Orgel- und Kirchenmusik St. Albertus Magnus Oberesslingen

Wolfgang Hausmann