Chronik


Bald nach Errichtung der Holzkirche wurde auch der Wunsch laut, einen eigenen Kirchenchor zu gründen. Der damalige Expositurvikar Vaas lud am 30.07.1936 zur ersten Singstunde in die Holzkirche ein. Für die ersten Proben stand nur ein Harmonium zur Verfügung. Im Winter war es in der Kirche zu kalt und die Singstunden fanden im Nebenzimmer des Gasthauses Zeppelin in der Plochinger Str. statt. Bald schon wurde eine vierstimmige Messe aufgeführt.

Die offizielle Gründungsversammlung fand jedoch erst am 23.05.1937 statt. Die Leitung des Chores übernahm Willi Digel. Die anfängliche Zahl von 19 Mitgliedern wuchs allmählich an. Die Stadtverwaltung stellte den Musiksaal der Herderschule als Probenlokal zur Verfügung; ein gern gesehener Gast war ein Kirchenchor in damaliger Zeit jedoch nicht. So war man froh, als im November 1937 die erste Singstunde im neuen Pfarrsaal abgehalten werden konnte. Die Mutter-gemeinde St. Paul stiftete einige Musikalien und Expositurvikar Hilsenbeck besorgte einen Flügel.

Auch in den Wirren des zweiten Weltkrieges konnten Singstunden und abgehalten werden, nicht zuletzt deswegen, weil Chorleiter Willi Digel bereits Ende 1940 aus dem Krieg zurückkehrte und Joseph Hosp ihn während seiner Abwesenheit vertrat. Dennoch war es eine schwere Zeit für den Chor. Fünf Männer kehrten nicht aus dem Krieg zurück. Im Jahr 1947 konnte man jedoch schon wieder 47 aktive Mitglieder verzeichnen.

In den folgenden Jahren wirkte der Chor außer bei Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen bei allen wichtigen Veranstaltungen der Gemeinde mit. Mehrere Male durfte man Bischof Carl Joseph Leiprecht als Gast begrüßen.

In kirchenmusikalischen Feierstunden wurden in den 50er und 60er Jahren Spenden für den weiteren Orgelausbau gesammelt.

In dieser Zeit gestaltete er ebenfalls die Feiern zur Grundsteinlegung und Einweihung der Kirchen in den Tochtergemeinden Berkheim und Zell; er stand Pate bei Chorgründungen in diesen Gemeinden. Selbstverständlich wirkte er bei der Weihe der Michaelskirche der Filialgemeinde Sirnau mit.

Der Chor beteiligte sich auch bei Dekantas- und Diözesankirchenmusiktagen, sowie bei der Eröffnung des 80. Deutschen Katholikentages in Stuttgart.

1969 war es nach 20jähriger Bauzeit endlich so weit. Die Kirche, die Gemeinde und damit auch der Kirchenchor hatten endlich eine komplette Orgel. 

Am Abend der Orgelweihe gab es den ersten Dirigentenwechsel. Willi Digel, wollte aus beruflichen Gründen schon Ende der 50er Jahre sein Amt niederlegen. Er stellte sich dennoch weiterhin zur Verfügung, da kein geeigneter Nachfolger gefunden werden konnte. Jetzt übergab er nach 33 Jahren in einer Feierstunde den Taktstock an Hubert Velten, der seit zehn Jahren Organist und stellvertretender Chorleiter war. So war ein reibungs- und nahtloser Übergang möglich. Willi Digel wurde an diesem Abend zum Ehrendirigenten ernannt.

Zur Altarweihe im Jahre 1974 sang der Chor die Messe in G-Dur von Franz Schubert.

Nachdem sich Hubert Velten beruflich verändert hatte und von Oberesslingen wegzog, vollzog sich 1975 der Dirigentenwechsel an Wolfgang Hausmann, der bis heute den Chor leitet. Auch dieser Übergang vollzog sich ohne Schwierigkeiten, da der neue Chorleiter seit 1969 dem Chor angehörte.

In den 80er Jahren erlebte der Chor eine Renaissance. Zum einen arbeitete er mit dem ensemble vocale ’80, einem von Wolfgang Hausmann geleiteten kleinen Ensemble, dem überwiegend Studenten der Pädagogischen Hochschule Esslingen angehörten, zum anderen stießen talentierte Kinder von Chormitgliedern und deren Freunde zum Chor. Jetzt konnte man daran gehen, sich an anspruchsvolle Werke zu wagen, die in den folgenden Jahren bei besonderen Ereignissen und den nun jährlich stattfindenden Chorkonzerten zur Aufführung kamen. Genannt seien z.B. die Messe in D-Dur von Antonin Dvorak, die Trinitatis- und Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart, die Nelson Messe von Joseph Haydn, das Gloria von Antonio Vivaldi, Messen von Franz Schubert, die große Messe in Es-Dur von Johann Nepomuk Hummel sowie Motetten und Kantaten von Felix Mendelssohn Bartholdy. Daneben wurde auch das Repertoire durch verschiedene a capella Messen und geistlichen Chöre konsequent erweitert.

Ein besonderes Erlebnis stellte die Aufführung der Es-Dur Messe von Franz Schubert dar, die zum 40jährigen Kirchweihjubiläum 1990 stattfand. In zahlreichen Sonderproben hatte sich der Chor sorgfältig auf die schwierige Aufgabe vorbereitet. Die Mühe und der zusätzliche Aufwand hatte sich gelohnt. In der Esslinger Zeitung hieß es dazu: „Hervorzuheben ist auch die ausgezeichnete Leistung des Chores von St. Albertus. (...) So gebannt von der Musik Schuberts war das Publikum, daß nach Ende der Aufführung erst sekundenlang Stille war, bevor der Applaus einsetzte und niemand (wie so oft) schon bei den letzten Akkorden zu klatschen begann. Ein feierlicher Tag für die Gemeinde hatte seinen gebührenden Ausklang gefunden."

Im Laufe der Zeit gab es wiederholt Phasen, in welchen man um das Überleben des Chores bangen musste. Immer wieder liest man in den Jahresberichten von Werbeaktionen und Appellen an die Gemeinde. Wenn sich der Chor derzeit auch auf einem recht hohen Leistungsniveau befindet, darf dieser Umstand nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein weiterer personeller Schwund nicht verkraftbar ist! Außerdem wäre eine Frischzellenkur überaus wünschenswert.

Abschließend sei aus dem Aufsatz des Vorstandes Dieter Speck zitiert, den dieser anlässlich des 60. Chorjubiläums im Jahre 1997 verfasste:

 „Die Chronik des Chors, wie könnte es anders sein, ist ein Spiegelbild der Geschichte der Kirchengemeinde von St. Albertus Magnus mit Höhen, Tiefen, Problemen in schwierigen Zeiten, großen Ereignissen, Kommen und Gehen über sechs Jahrzehnte. Bei all dieser wechselvollen Geschichte mutet die Konstanz in der Chorführung geradezu wie ein Fels in der geschichtlichen Brandung an. In 60 Jahren ist Pfarrer Nagel erst der 5. Chorpräses, Dieter Speck der 4. Chorvorstand und Wolfgang Hausmann erst der 3. Dirigent.

Heute umfasst der Chor ca. 30 Mitglieder. Die kleine Mitgliederzahl erfordert hohe Einsatzbereitschaft, die gepaart mit freundschaftlichem Zusammenhalt den Charakter des Chores ausmacht. Erfreulicherweise stehen dem Chor zu besonderen Aufführungen, wie bei Festgottesdiensten oder bei den jährlichen Konzerten befreundete, dem Chor nahestehende Sängerinnen und Sänger zur Verfügung, so dass nach wie vor anspruchsvolle Werke, die großes Stimmenpotential erfordern, aufgegriffen werden können. So steht der Chor allen singfreudigen Gemeindemitgliedern offen, auch solchen, die nicht ständig zu den wöchentlichen Singstunden, an allen Hochfesten und monatlichen Gottesdienstbegleitungen Zeit finden.

Der Chor  führt jährlich Besinnungswochenenden - auch für Freunde des Chores - in Klöstern und Bildungshäusern der Diözese durch und beteiligt sich an Veranstaltungen der Kirchengemeinde. Die Bereitschaft an der kirchemusikalischen Gestaltung der Liturgie mitzuwirken, zu wichtigen Anlässen besondere musikalische Aufführungen anzugehen und darzubieten, und sich harmonisch in einer überschaubaren Gemeinschaft aller Altersstufen und Schichten einzubringen, das soll das Aushängeschild des Kirchenchores von St. Albertus Magnus auch in der Zukunft sein."

 

Personen und Zahlen 
Chorleiter

1936 - 1969: Willi Digel

1969 - 1975: Hubert Velten

ab 1976: Wolfgang Hausmann

 

Die jeweiligen Organisten vertraten im Verhinderungsfall die Chorleiter.

Chorvorstände

1936 -1951: Oskar Kärcher

1951 -1964: Ludwig Betz

1964 -1990: Herbert Rieger

ab 1990: Dieter Speck

 

Organisten

1936 - 1958: Joseph Hosp

1959 - 1975: Hubert Velten

ab 1975: Wolfgang Hausmann

 

Aushilfsweise ab 1955: Hannelore Hosp und Helga Mayer; ab 1970 Wolfgang Hausmann.

Erstellt von Wolfgang Hausmann